Eisenmangel – Ein Globales Problem

Für fast alle Lebewesen ist Eisen ein essentielles Spurenelement. Während es in pflanzlichen Organismen die Photosynthese beeinflusst, dient es bei Mensch und Tier vor allem der Blutbildung, ist aber auch für den Transport und die Speicherung von Sauerstoff sowie die Elektronenübertragung verantwortlich.

Dennoch gehört Eisenmangel laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den weltweit am häufigsten anzutreffenden Mangelerscheinungen, von der etwa dreißig Prozent der Weltbevölkerung, also etwa zwei Milliarden Menschen, betroffen sind.Die Ursachen für Eisenmangel unterscheiden sich je nach Region.

So sind in westlichen Industrieländern oft junge Frauen betroffen, die durch eine zu starke Menstruation eine Eisenmangelanämie erleiden, aber auch Vegetarier und Veganer, die nicht genügend pflanzliche Eisenquellen wie Amaranth, Quinoa, Linsen oder Leinsaat zu sich nehmen.

Auch ein erhöhter Bedarf, wie er etwa während der Schwangerschaft vorliegt, kann zu akutem Eisenmangel führen, ebenso hohe sportliche Belastungen oder das regelmäßige Spenden von Blut. Weiterhin gehören Erkrankungen, die einen chronischen Blutverlust bedingen, zu den Auslösern von Eisenmangel, beispielsweise Tumorleiden.

In den Entwicklungsländern ist Eisenmangel vor allem bakteriell – wie im Falle der Tuberkulose – und parasitär – wie im Falle der Malaria – bedingt, dazu kommen mangelernährungsbedingte Ursachen.

Ob Industrie- oder Dritte-Welt-Land: Frauen im gebärfähigen haben aufgrund des Blutverlusts bei ihrer Menstruation einen um etwa fünfzig Prozent höheren Eisenbedarf als Männer. Dennoch gehören Frauen und Kinder in den Entwicklungsländern zur größten vom Eisenmangel betroffenen Personengruppe, da ihnen aufgrund der unzureichenden Ernährungssituation nicht genügend bioverfügbares Eisen aus der Nahrung zur Verfügung steht.

Laut Stoltzfus et al (2004) sind ein Viertel aller unter Vierjährigen in Entwicklungsländern von Eisenmangel betroffen, UNICEF und WHO sprechen im Zusammenhang mit klimabedingten Ernährungskrisen spricht von fünfzig Prozent der indischen Schulkinder.Die WHO listet den Mangel von Eisen im „Global Burden Desease Project 2000“ als Faktor neun von sechsundzwanzig Risikofaktoren auf.

Eisenmangel ist für 841.000 Todesfälle und 35.057.000 Fälle von krankheitsbedingtem Lebenszeitverlust verantwortlich. Mit 71 Prozent tragen Afrika und Asien den Hauptteil der Mortalität. Wirtschaftlich hoch entwickelte Nationen wie Nordamerika dagegen sind lediglich zu 1.4 Prozent betroffen.

Zudem ist der Ausprägungsgrad von Eisenmangel in den westlichen Industrienationen deutlich geringer als jener in den Entwicklungsländern.Der menschliche Körper ist nicht in der Lage, selbst Eisen zu produzieren und darauf angewiesen, dass ihm das Spurenelement durch die Nahrung von außen zugeführt wird.

Etwa ein bis 2 Milligramm Eisen verbraucht der Körper pro Tag, die ihm wieder zugeführt werden müssen. Eisenmangel kann über eine lange Zeit symptomlos bleiben, da der Körper ihn solange kompensieren kann. Erste Anzeichen wie trockenes, sprödes Haar, rissige Nägel und raue Haut gehören in den Bereich der kosmetischen Veränderungen, bevor eingerissene Mundwinkel, Veränderungen an der Schleimhaut in Mund und Speiseröhre sowie Zungenbrennen auf eine ernstere gesundheitliche Gefährdung hinweisen.

Durch die kontinuierliche Abnahme der sauerstofftragenden roten Blutkörperchen verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung der Körperzellen. Über kurz oder lang kommt es zu einer von Fachleuten als Anämie bezeichneten Blutarmut, zu deren Symptomen chronische Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche und allgemein verminderte Leistungsfähigkeit zählen.

Kribbelnde Hände und Füße, Schwindel und Kopfschmerzen sowie eine allgemein erhöhte Infektanfälligkeit gehören zu den weiteren Symptomen. Die Behandlung von Eisenmangel erfolgt in erster Linie durch Sicherstellung einer ausreichenden Eisenzufuhr durch die Nahrung.

Diese ist der Versorgung mit eisenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln vorzuziehen, da diese leicht überdosiert werden können. Gerade bei kleinen Kindern kommt es hier leider immer noch zu häufig zu schweren Vergiftungen, kann für ein Kleinkind doch schon eine Dosis von 2.000 bis 3.000 Milligramm Eisen letal sein.

Abhängig von Geschlecht und Alter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Eisenzufuhr von zehn bis zwölf Milligramm pro Tag, während der Schwangerschaft dreißig Milligramm.In Dritte-Welt-Ländern wie Kambodscha, wo Mangelernährung herrscht und die Eisenversorgung über die Nahrung momentan nicht erreicht wird, stellte man fest, dass die Eisenaufnahme durch Verwendung von gusseisernem Kochgeschirr verbessert werden kann.

Da gusseisernes Kochgeschirr in Kambodscha jedoch ebenso kostspielig ist wie eisenhaltige Nahrungsmittel (rotes Fleisch, Hülsenfrüchte) oder Nahrungsergänzungsmittel, entwickelte der kanadische Biomediziner Christopher Charles eine als „Lucky Iron Fish“ („glücksbringender Eisenfisch“) bekannten Barren aus Gusseisen, der einfach mitgekocht werden kann und beim Kochvorgang Eisen an eisenarme Speisen wie Suppe oder Reis abgibt.

Der Lucky Iron Fish wird kommerziell an Privathaushalte vertrieben, vor allem aber auch Spitäler und Nichtregierungsorganisationen gehören zu den Kunden. Kocht man den knapp acht Zentimeter langen Eisenfisch zehn Minuten mit, löst sich Eisen aus ihm. Wer anschließend noch etwas Zitronensaft zur Speise gibt, fördert durch das in ihm enthaltene Vitamin C die Aufnahme des Spurenelements durch den Darm.

Doch auch in den Entwicklungsländern ist die Ernährung die wichtigste Stellschraube gegen den Eisenmangel. So konnten Zimmermann, Chaouki und Hurrell mittels einer Studie an marokkanischen Kindern belegen, dass die schlechtere Bioverfügbarkeit von Eisen aus einer traditionell auf Hülsenfrüchten und Getreide basierenden Ernährung die Ursache für Eisenmangel bei Kindern im ländlichen Afrika ist.

Die Anstrengungen, die in den letzten Jahren zur Verbesserung dieser Ernährungssituation unternommen wurden – aufgrund der im Jahr 2004 vorgelegten Zahlen forderten UNICEF und die internationale Initiative gegen Mangelernährung „Micronutrient Initiative“ beispielsweise die Lebensmittelindustrie auf, mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungen in den Entwicklungsländern kostengünstig auf den Markt zu bringen –, haben laut UNICEF bereits zu einem leichtes Rückgang des Eisenmangels bei kleinen Kindern in Entwicklungsländern geführt.